Spanien
Weinbau wird in Spanien seit mehreren Jahrtausenden betrieben. Phönizier und Römer hinterließen ihre Spuren, Klöster führten die Tradition fort und im 19. Jahrhundert sorgten französische Einflüsse für einen entscheidenden Entwicklungsschub – besonders in der Rioja. Lange Zeit war Spanien allerdings stärker für Menge als für Herkunft bekannt. Ein gutes Beispiel ist Airén. Die weiße Rebsorte war aufgrund der riesigen Anbauflächen in La Mancha lange eine der meistangebauten Rebsorten der Welt. Ein großer Teil wurde zu einfachen Grundweinen und für die Brandy-Produktion verwendet. Dieses Bild hat sich grundlegend verändert. Heute gehört Spanien zu den interessantesten Weinländern Europas. Alte Reben, autochthone Rebsorten, extreme Höhenlagen und eine neue Generation terroirorientierter Winzer:innensorgen dafür, dass Herkunft zunehmend wichtiger wird als möglichst viel Holz, Alkohol oder Extraktion.
Im Nordwesten rund um Rías Baixas bestimmt der Atlantik das Geschehen. Hohe Niederschläge, moderate Temperaturen und kühle Meeresluft schaffen ideale Voraussetzungen für Albariño – salzige, frische und rassige Weißweine, die hervorragend zu Fisch und allem passen, was sonst noch aus dem Wasser kommt.
Ganz anders präsentiert sich das Landesinnere. Rioja, Ribera del Duero und Toro sind stärker kontinental geprägt. Heiße Tage treffen teilweise auf ausgesprochen kühle Nächte. Die Höhenlage vieler Weinberge ist dabei entscheidend für den Erhalt von Säure und Frische.
In Toro wird es noch extremer: Hitze, Trockenheit und karge Sand- und Kiesböden treffen auf teilweise uralte, wurzelechte Reben. Hier ist man zu Recht stolz auf Tinta de Toro, die lokale Ausprägung des Tempranillo.
Am Mittelmeer wiederum prägen Wärme und Trockenheit Regionen wie Katalonien. Im Penedès treffen mediterranes Klima, Höhenlagen und vielerorts kalkreiche Böden auf Xarel·lo – die große heimische Rebsorte für Still- und Schaumwein.
Die Rioja gehört zu den berühmtesten Weinregionen Spaniens. Traditionell wird Wein hier stark über seinen Ausbau definiert: Joven, Crianza, Reserva und Gran Reserva geben vor, wie lange ein Wein reifen muss.
Die Ribera del Duero besitzt ihre DO erst seit 1982 und hat sich trotzdem innerhalb weniger Jahrzehnte international etabliert. Tempranillo – hier häufig Tinto Fino oder Tinta del País genannt – zeigt sich oft mit dunkler Frucht, Struktur und einem moderneren, stärker fruchtbetonten Stil.
Noch weiter westlich liegt Toro. Hier heißt die Sorte Tinta de Toro und zeigt eine deutlich kraftvollere Seite. Alte Reben, extreme Trockenheit und sandige Böden liefern konzentrierte Rotweine.
Im katalanischen Penedès dreht sich vieles um Schaumwein. Xarel·lo, Macabeu und Parellada bilden seit Generationen die Grundlage dafür. Besonders interessant finden wir die Entwicklung von Corpinnat. Produzenten wie Recaredo setzen auf biologische und biodynamische Bewirtschaftung, traditionelle Rebsorten, lange Hefereife und einen konsequenten Herkunftsgedanken.
Unser Blick auf spanischen Wein konzentriert sich deshalb besonders auf Herkunft: Rioja und Rioja Alavesa, Toro, Penedès und ausgewählte weitere Regionen, in denen autochthone Rebsorten und individuelle Terroirs im Vordergrund stehen. Uns interessieren alte Reben, kalkreiche Höhenlagen, karge Sandböden und Produzenten, die weniger über Kellertechnik als über ihren Weinberg sprechen. Spanien darf dabei ruhig temperamentvoll bleiben. Kraft, Sonne und reife Frucht gehören schließlich zu vielen Regionen dazu. Die interessantesten Weine verbinden diese Eigenschaften heute aber mit Frische, Eleganz und einer klaren regionalen Identität. Und wer mit Rioja irgendwann seine erste ernsthafte Weinliebe hatte, darf sowieso jederzeit zurückkommen. Alte Liebe rostet schließlich nicht.