Tempranillo & Barrique
Die wichtigste Rebsorte der Rioja ist Tempranillo. Sie nimmt deutlich mehr als drei Viertel der gesamten Rebfläche ein und bildet die Grundlage der meisten großen Rotweine. Der Name leitet sich von temprano – früh – ab und verweist auf ihre vergleichsweise frühe Reife. Tempranillo bringt Weine mit Aromen von roten und dunklen Beeren, Pflaumen, Kräutern und Gewürzen hervor. Die Sorte besitzt ausreichend Struktur für lange Fass- und Flaschenreife, ohne zwangsläufig schwere Weine zu ergeben. Gerade auf kalkreichen Böden und in höheren Lagen kann Tempranillo eine überraschend feine, elegante und frische Seite zeigen.
Traditionell ist Rioja allerdings kein reines Tempranillo-Land. Garnacha bringt Wärme, Frucht und Körper in die Weine und spielt insbesondere in der Rioja Oriental eine wichtige Rolle. Graciano besitzt eine kräftige Säure, intensive Aromatik und Farbe. Die Sorte ist anspruchsvoller im Weinberg, kann Cuvées aber zusätzliche Frische, Würze und Langlebigkeit verleihen. Mazuelo, international als Carignan bekannt, bringt ebenfalls Säure, Tannin und Struktur mit. Traditionelle Rioja-Weine basieren deshalb häufig auf einer Cuvée verschiedener Rebsorten und Herkünfte.
Obwohl Rioja vor allem für Rotwein bekannt ist, besitzt die Region eine lange Weißweintradition. Die wichtigste weiße Rebsorte ist Viura, in anderen Teilen Spaniens als Macabeo bekannt. Daneben findet man unter anderem Garnacha Blanca, Tempranillo Blanco, Malvasía und zunehmend auch internationale Sorten. Besonders interessant ist die Renaissance traditioneller, im Holz ausgebauter Rioja Blanco. Gute Exemplare können über viele Jahre und sogar Jahrzehnte reifen und gehören zu den eigenständigsten Weißweinen Spaniens.
Crianza, Reserva und Gran Reserva
Kaum eine andere Weinregion wurde so stark über den Ausbau definiert wie Rioja. Die Begriffe Crianza, Reserva und Gran Reserva stehen für gesetzlich geregelte Reifezeiten, wobei sowohl Fass- als auch Flaschenlagerung berücksichtigt werden. Besonders Reserva und Gran Reserva verkörpern den klassischen Rioja-Stil: lange gereifte Weine, die häufig erst Jahre nach der Ernte auf den Markt kommen. Dieses System hat einige der langlebigsten Weine Spaniens hervorgebracht. Es besitzt allerdings einen Nachteil: Zwei Weine aus völlig unterschiedlichen Böden und Orten können dieselbe Bezeichnung tragen.
Herkunft statt nur Fassreife
In den vergangenen Jahren hat sich die Diskussion in Rioja deutlich verändert. Einzellagen, Dörfer, alte Rebstöcke und einzelne Parzellen rücken zunehmend in den Mittelpunkt. Mit Vino de Municipio können Weine stärker über ihren Herkunftsort definiert werden. Noch präziser ist Viñedo Singular, die Klassifikation einzelner Weinberge, für die strengere Anforderungen hinsichtlich Alter der Reben, Ertrag und Bewirtschaftung gelten. Diese Entwicklung bringt Rioja gewissermaßen zurück zu seinen Wurzeln. Produzenten wie Bideona in Rioja Alavesa beschäftigen sich intensiv mit alten Parzellen und den Unterschieden einzelner Dörfer und Kalkböden. Statt einen einheitlichen „Rioja-Geschmack“ zu produzieren, sollen die Unterschiede zwischen Orten und Weinbergen sichtbar werden. Genau diese Entwicklung finden wir besonders interessant: weniger Rezept, mehr Herkunft. Rioja – Zwischen Tradition und neuer Herkunft. Die große Faszination der Rioja liegt heute im Nebeneinander zweier Welten.