Biodynamische Weine
Biodynamischer Weinbau, häufig auch als Biodyn bezeichnet, geht über die Grundsätze des biologischen Weinbaus hinaus und basiert auf den landwirtschaftlichen Ideen des österreichischen Anthroposophen Rudolf Steiner, der 1924 seinen sogenannten Landwirtschaftlichen Kurs hielt. Im Mittelpunkt steht der landwirtschaftliche Betrieb als möglichst geschlossener Organismus, in dem Boden, Pflanzen, Tiere und natürliche Kreisläufe miteinander verbunden sind.
Besonders bekannt ist die Biodynamie für ihre Präparate und die Orientierung an kosmischen Rhythmen und Mondphasen. Dazu gehört das berühmte Hornmistpräparat 500, bei dem Kuhmist in Kuhhörner gefüllt und über den Winter im Boden vergraben wird. Das Präparat 501 (Hornkiesel) besteht hingegen aus fein gemahlenem Quarz, der in Kuhhörnern über den Sommer vergraben wird. Beide Präparate werden anschließend in stark verdünnter Form auf Böden beziehungsweise Reben ausgebracht. Das Vergraben von Stierhörnern bei Mondlicht ist dabei eher ein populäres Klischee als eine verbindliche Vorschrift.
Zu den bekanntesten Zertifizierungen zählen Demeter, Biodyvin und respekt-BIODYN, deren Anforderungen über jene des biologischen Weinbaus hinausgehen. Als einer der bedeutendsten Wegbereiter der biodynamischen Weinbewegung gilt Nicolas Joly von der Coulée de Serrant an der Loire, der seit den 1980er-Jahren für diese Bewirtschaftungsform eintritt und zahlreiche Winzer weltweit beeinflusst hat.
Viele biodynamische Betriebe leisten hervorragende Arbeit in den Weinbergen, fördern Biodiversität, lebendige Böden und einen bewussten Umgang mit ihrer Umwelt. Allerdings sind insbesondere die behaupteten Wirkungen kosmischer Rhythmen und einzelner Präparate wissenschaftlich nicht überzeugend belegt. Positive Ergebnisse lassen sich häufig auch durch die sorgfältige Bewirtschaftung und die biologischen Maßnahmen erklären.
Unsere Haltung bei Weinstein Finewine: Wir schätzen zahlreiche biodynamisch arbeitende Winzer und ihre außergewöhnlichen Weine, betrachten die anthroposophischen und esoterischen Elemente jedoch mit einer gewissen Skepsis. Biodynamie ist für uns ebenso wenig ein automatisches Qualitätsmerkmal wie Bio. Entscheidend bleiben die Herkunft, das handwerkliche Können und letztlich die Qualität im Glas. Gute Weine brauchen Überzeugung und Sorgfalt – aber nicht zwingend einen Blick in den Mondkalender.