Mitte Juli führte uns unsere diesjährige Weinstein-Finewine-Reise nach Bordeaux. Neun Weinbegeisterte, zwei intensive Tage in den Weinbergen und eine Mischung aus großen Namen, hervorragenden Verkostungen, langen Abendessen und bester Stimmung.
Der erste Tag gehörte dem linken Ufer. Im Médoc besuchten wir Château Branaire-Ducru in Saint-Julien, Château Phélan Ségur in Saint-Estèphe und Château Pontet-Canet in Pauillac, Château Léoville Poyferré in St. Julien und zum Abschluss Château du Tertre in Margaux. In deren Orangerie (eine Art Gewächshaus am Swimmingpool, dass für Veranstaltungen genutzt wird) durften wir einen langen Tag bei einem großartigen Abendessen mit passender Weinbegleitung ausklingen lassen.
Am nächsten Morgen wechselten wir auf das rechte Ufer. Mit Château Ausone begann der Tag gleich bei einer der großen Legenden von Saint-Émilion. Es folgten Château Daugay, Château Figeac und Château Nénin in Pomerol, wo wir auch weitere Weine aus dem Portfolio der Familie Delon verkosten konnten – darunter Léoville Las Cases und Potensac. Dazwischen blieb Zeit für einen Rundgang durch Saint-Émilion und ein kurzes Mittagessen beim in unseren Kreisen legendären Foie-Gras-Burger. Ein weiteres hervorragendes Abendessen im Restaurant Luna bildete den perfekten Abschluss unserer Bordeaux-Weinreise.
Bordeaux 2026: Hitze, Trockenheit und große Unterschiede
Neben den Weinen war vor allem der Zustand der Weinberge ein zentrales Thema. Der Sommer 2026 ist in ganz Europa von außergewöhnlich hohen Temperaturen geprägt. Besonders im Médoc waren Trocken- und Hitzestress deutlich sichtbar. Die tiefgründigen Kiesböden sorgen zwar für eine hervorragende Drainage, können Wasser jedoch kaum speichern. Teilweise war nur wenig Fortschritt in der Vegetation erkennbar, weil die Reben ihre Aktivität bei extremer Trockenheit reduzieren.
In Saint-Émilion zeigte sich ein anderes Bild. Die Kalkstein- und Ton-Kalk-Böden funktionieren wie ein natürlicher Wasserspeicher. Der poröse Kalk nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie nach und nach wieder an die Reben ab. Gerade in heißen und trockenen Jahren wird dieser Unterschied immer wichtiger.
Wie ernst die klimatische Situation inzwischen ist, zeigte sich unmittelbar nach unserer Abreise: Nur zwei Tage später musste der Flughafen Bordeaux-Mérignac wegen der starken Rauchentwicklung durch die Waldbrände vorübergehend schließen. Die Weinberge im Médoc und in Saint-Émilion wurden von den Bränden zwar nicht direkt getroffen, doch Hitze, Wassermangel und zunehmende Wetterextreme stellen Bordeaux vor große Herausforderungen.
Unsere Reise hat deshalb nicht nur großartige Weine und besondere Begegnungen geboten. Sie hat auch eindrucksvoll gezeigt, wie stark Terroir, Boden und Wasserversorgung über die Zukunft des Weinbaus entscheiden.

